ALBANA RAMA, CEO, THE RAINFOREST COMPANY

Wie ich mich in den Regenwald verliebte

Wir schliefen in Holzhütten, duschten mit Regenwasser, hörten die Stimmen der Natur. Und auf einmal war es wieder da. Das Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit. Eine Welt, in der Werte zählen, die ich als Kind erlebte. Fernab von Konsum, Karriere und Materialismus. Ich war zurück, wo ich herkam. Und doch war ich nicht mehr dieselbe.

“Albana, warum hast du den Job als Top-Managerin geschmissen, um Acai-Beeren aus dem Regenwald zu verkaufen?” Eine Frage, die mir seit der Gründung der Rainforest Company GmbH nicht nur einmal gestellt wurde. Ich gebe zu: mein Vorhaben war waghalsig. Für viele unglaublich und mit Sicherheit unkonventionell. Doch für mich der wichtigste Schritt meines Lebens. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl. Wenn es diesen einen Wendepunkt gibt, der alles bisherige in Frage stellt. Ein Zurück geht nicht mehr. Denn das was ihr plant, gibt eurem Leben einen neuen Sinn - und ermöglicht in meinem Fall sogar Tausenden Menschen eine bessere Zukunft.  

Ich bin im Kosovo aufgewachsen, in einem kleinen Dorf namens Botushë. Bei meinen Großeltern, umgeben von Tieren und wunderschöner Natur.  Meine Eltern kamen in den Siebziger Jahren als Gastarbeiter in die Schweiz. Warmes Wasser und Geld hatten wir nicht, dafür bedingungslose Liebe, Zusammenhalt und endlose Natur. Im Nachhinein betrachte ich diese Jahre als die schönsten meiner Kindheit. Doch als Teenager sehnte ich mir nach Unabhängigkeit und Kontrast. 

In einer Welt geprägt von Konsum und schnellem Geld startete ich meine Finanzkarriere in der Schweiz. Mit Ende Zwanzig hatte ich den Sprung auf die Manager-Ebene geschafft und behauptete mich in einer stark männerdominierten Branche. Das brachte mir Selbstbewusstsein, Mut und vor allem finanzielle Unabhängigkeit. Ich war stolz auf das, was ich erreicht hatte. Doch abends lag ich im Bett und fragte mich nach dem wahren Sinn meines Tuns. Ist es das wirklich? Ist da noch mehr? 

Die Antwort sollte ich im Jahr 2015 finden, nachdem ich in den Flieger zum Amazonas stieg. Geplant war ein Abenteuer-Urlaub im Survival Camp. Doch die Reise selbst entpuppte sich als der Beginn des wohl größten Abenteuer meines Lebens. Ich lernte die Farmer unserer heutigen Açai-Plantagen kennen. Sie nahmen mich im dämmernden Morgengrauen auf die Ernte mit und lehrten mich alles über ihr Acai-Business. Ich schlief in Holzhütten, duschten mit Regenwasser, hörten die Stimmen der Natur. Und auf einmal war es wieder da. Das Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit. Eine Welt, in der Werte zählen, die ich als Kind erlebte. Fernab von Konsum, Karriere und Materialismus. Ich war zurück, wo ich herkam. Und doch war ich nicht mehr dieselbe.

In all den Jahren wurde mir eins klar: Bei aller Bescheidenheit ist Bildung der Schlüssel für die Zukunft. In der westlichen Welt genauso wie für die Menschen im Amazonas. Selbst mein Großvater, der drei Kriege miterlebte und keine Ausbildung hatte, pochte auf die Weiterbildung seiner Töchter. Als Familienoberhaupt lebte er dieses wertvolle Gedankengut Generationen vor, das auch mir letztlich meine Karriere ermöglichte. Fakt ist aber auch: Bildung kostet - und leider oft so viel, dass dieses Grundrecht vielen Menschen verwehrt bleibt. 

The Rainforest Company ermöglicht diesen Bauern ein sicheres und faires Einkommen, so dass sie ihre Kinder zur Schule schicken können. Darüber hinaus trägt unser nachhaltiges Geschäftsmodell mit den Acai-Beeren zu einer nachhaltigeren Nutzung des Regenwaldes bei. Als Gründerin gebe ich damit ein Privileg zurück, von dem ich selbst bis heute profitiere: Bildung für eine bessere Zukunft.